MONATSVERS

Juli 2020

Liebe Geschwister!


Es ist doch immer wieder faszinierend, wie Gott voller Ruhe und Stärke handelt und lenkt, während wir persönlich uns schwach, hilflos, überfordert oder bedrängt fühlen.

Elias Geschichte ist für mich immer wieder ein Zeugnis für unsere menschliche Schwachheit und Gottes wunderbare Souveränität.

Nach den überwältigenden Erlebnissen auf dem Berg Karmel (1.Könige 18), wo Gott seine Größe demonstrierte und Elia seine Macht erleben durfte, wird Elia damit konfrontiert, dass ihm nach seinem Leben getrachtet wird. Scheinbar vergessen scheint das gerade gestärkte Vertrauen auf seinen mächtigen Gott, so dass er sich fürchtet und um sein Leben läuft (19,3). Elia verfällt in Erschöpfung, Einsamkeit, tiefe Sorge und Hilflosigkeit. Er ist überfordert. Soweit, dass er sich den Tod herbeiwünscht (19,4).

In unserem Monatsvers spricht Gott durch seinen Boten zu Elia ein interessantes Wort: „Steh auf, iss! Denn der Weg ist zu weit für dich.

Elia isst und macht sich so gestärkt auf, 40 Tage und Nächte, zum Berg Gottes zu laufen. Doch als er dort ankommt, stellt Gott ihm zunächst nur eine Frage: „Was tust du hier, Elia?“ (V.9) Die gleiche Frage wiederholt er später, nachdem Elia sein Leid geklagt hat und Gott sich ihm in einem sanften Luftzug offenbarte. Nachdem Elia erneut sein Leid klagt, schickt Gott ihn mit einem Auftrag den ganzen Weg zurück. Zusätzlich sagt er ihm, dass er gar nicht allein sei, sondern außer ihm noch 7000 weitere Personen zu Gott stehen.


Gute Beobachter stellen fest, dass Gott Elia zu keinem Zeitpunkt zum Horeb rief. Als er dort ankam fragte Gott ihn sogar verwundert, was er dort wolle und schickt ihn später wieder zurück.

Daraus lässt sich schließen, dass der zu weite Weg, wegen dem Elia essen sollte, gar nicht der Weg zum Berg Gottes, dem Horeb, war.

Oftmals ist der Weg, den unser Herz zu gehen hat, um sich Gott in schweren Lagen anzuvertrauen, weiter, als alle anderen Auswege zusammen.


Auch wir können ähnliche Momente auf unterschiedliche Weise und in verschiedenen Herausforderungen erleben. Es gibt nicht wenige Beziehungen, Situationen oder Ereignisse, die uns alles abverlangen und nicht nur an unsere Grenzen, sondern manchmal auch darüber hinaus führen.

Das kann ganz individuell sein (Ehe, Familie, Job, Nachbarschaft, u.v.m.), aber auch, wie in diesen Monaten, sehr weitreichend und gesellschafts-umspannend sein.


Das Problem bei Elia war nicht die Situation, in der er sich befand. Gott lenkte immer noch die Begebenheiten, wie man an den 7000 weiteren Menschen, dem folgenden klaren Auftrag Elias, der vorbereiteten Nachfolge durch Elisa und nicht zuletzt an der Stärkung, die Gott dem Elia gibt, sehen kann. Der Weg, den Elia zu gehen hatte, war nicht der äußerliche, der die tatsächlichen Begebenheiten in Angriff nahm. Das Problem war sein Herz. Der weite Weg war die Rückkehr zum Vertrauen auf Gott. Elia hatte keine Kontrolle über die Ereignisse, aber meinte sich im Zentrum des Geschehens. „ICH habe geeifert“, „ICH alleine bin übrig“, „MIR wird nach dem Leben getrachtet“. Er sah sich als einzigen Gerechten, er dachte es käme allein auf ihn an, er meinte, dass niemand sonst auf einem guten Weg sei. Eine Haltung, resultierend aus den Ängsten, der Überforderung und dem Unvertrauen seiner menschlichen Natur. Wo ist in dieser selbstzentrierten und problemorientierten düsteren Aussicht eigentlich Gott?


Diese Empfindungen sind für uns sicherlich nachvollziehbar, weil sie uns oft genug in ähnlicher Weise ereilen. In unserer Gesellschaft ist dies derzeit auch besonders zu beobachten. Unsere alte Natur lässt uns schnell auf die Probleme, unseren Kontrollverlust und unsere Hilflosigkeit schauen. Aber eigentlich geht es um Gott. Alles hängt von ihm ab. Er ist souverän.

Wie gut ist es darin aufgerüttelt zu werden. Ich bin nicht der Retter der Welt. Die Begebenheiten drehen sich nicht um mich. Es geht nicht um meine Kraft. Es geht auch nicht um die Bedrängnisse, es geht nicht um Gottes Feinde, auch sie haben keine Kontrolle.


Von dieser Begebenheit können wir lernen, dass Gott immer HERR der Lage ist, dass er jederzeit versorgt und stärkt, dass er den Seinen eine Rolle zuweist und doch steht und fällt sein Handeln nicht mit meinen Möglichkeiten. Gott hält die ganze Welt, auch dich und mich, in seiner Hand.


Der weiteste Weg, den Menschen im Leben zurückzulegen haben, ist der: Ihr Leben Gott zu geben.

Egal, in welcher Situation du dich gerade befindest: Vertrau auf den Herrn! Gott ist gut, er rührt dich an, er lässt dich aufstehen und gibt dir was du brauchst, weil er weiß, dass dein Weg sonst zu weit für dich wäre. Wir leben aus seiner Gnade, um mit ihm und für ihn zu leben, was er uns zugedacht hat.

Wenn du deinen Blick von dir selbst und den Problemen löst, dann findest du beim Herrn auch Wegweisung dafür, wie sich deine Rolle in dieser Situation gestaltet. Sei versichert, dass seine Kraft dann in dir mächtig ist.


Dein Simon